Wo der Regenmann tanzt

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“Uganda – das ist eine ganz andere Welt! Dort gibt es noch Stämme, deren Angehörige rennen nackt und mit Speer bewaffnet durch die Savanne. Sie bemalen sich mit buntem Matsch und wenn sie sich mal anziehen, dann tragen sie Kleider in allen Regenbogenfarben. Gerne schmücken sie sich auch mit gigantischen Holzplatten in der Unterlippe. Ihre Kultur ist so patriarchal, dass sie dem Besucher ihre Frauen gastfreundlich für die Nacht anbieten. Die meisten leben weitab von westlicher Zivilisation. Deshalb wird jeder Weiße fasziniert bestaunt und gefragt, ob er sich etwas zu gründlich gewaschen habe, oder sei er etwa mit einer solch unnatürlich hellen Haut geboren? Menschen- und Völkerrechte sind unbekannt, weswegen Konflikte in diesem Land von Kindersoldaten und mit Macheten ausgetragen werden. Ein grausames, armes, unterentwickeltes Land.”

“Jaja”, sagen da alle fleißigen Weltspiegel-Schauer und ethnologisch Interessierten, “so ist das da”. Man schüttelt erschüttert, fasziniert und machmal auch amüsiert den Kopf – und ist letztendlich doch froh, dass man weit weg von diesen Merkwürdigkeiten lebt.

Letzte Woche saß ich in einem indischen Restaurant hier in Mbarara. Es lief – wie in allen ugandischen Lokalitäten – der Fernseher. In einem Musikvideo zu dem Lied “We are the world” schauten mir halbverhungerte afrikanische Kinder mit dickem Bauch beim Essen meines Chickencurry zu, traurige Menschen in Flüchtlingslagern blickten apathisch in die Kamera. “Gemeinsam helfen wir Afrika” oder so ähnlich war die an mich ausgesandte Botschaft. Das war das erste Mal, dass ich ein solches Video sah, während ich mich gleichzeitig in genau diesem Kontinent befand. Ich schaute mich um und sah: Menschen in Anzug, Krawatte und Designerbrille, die mit dem Smartphone am Ohr schnell das Essen hinunterschlangen, um zum nächsten Termin zu kommen. Am nächsten Tisch: Modisch gekleidete junge Frauen, die sich über irgendetwas köstlich amüsierten. Und Anthea neben mir, die mir gerade das Neueste aus der Serie “Sex and the City” berichtete. Als ich wieder auf den Bildschirm schaute war ich verwirrt. Und hatte außerdem das Bedürfnis laut los zu lachen. Schon bevor ich nach Uganda kam, war mir natürlich klar, dass solche Videos nicht zum Ziel haben, afrikanische Realität abzubilden, sondern mich zu möglichst großzügigen Spenden zu bewegen. Aber irgendwie dachte ich bei Afrika doch immer an Hunger, Katastrophen, Grausamkeiten. Und an Lehmhütten, rituelle Tänze und Medizinmänner mit Zauberkräften. Als ich dieses Video sah, kam es mir wahnsinnig lächerlich vor. Die schöne weiße Sängerin mit der blonden Mähne rettet mit ihrem schmerzverzerrten Gesicht die armen hilflosen Afrikaner. Der Mann neben mir, der gerade mit seinem Laptop völlig gebannt auf Facebook surfte, sah irgendwie gar nicht so hilflos aus. Man stelle sich das ganze mal andersherum vor: Eine schöne schwarze Frau verdrückt erschüttert eine Träne, während sie über das Leid der armen stress-, diabetes-, magersucht- und depressions-geplagten Europäer klagt. Diese armen Opfer ihres ungesunden Lebenswandels! Das muss man doch was tun! “Africa together to save Europe!” Ich finde, man sollte mal so eine Kampagne starten!

Natürlich will ich nicht behaupten, dass es keine Not, keine Kriege, keine Lehmhütten und Medizinmänner in Afrika gäbe. Aber auch nach zwei Monaten in Uganda kenne ich das alles immer noch nur aus dem Fernsehen. Mein Alltag in Mbarara ist erstaunlich arm an exotischen Erlebnissen. Vieles unterscheidet sich nur wenig vom täglichen Leben in Berlin: Die Menschen gehen in Kneipen, trinken Cola und Bier, sie gehen zusammen tanzen, ins Schwimmbad, zum Golfen oder Squashen, schauen amerikanische Filme und Fußball. Sie benutzen Shampoo und Gesichtspflege, kaufen Aspirin in der Apotheke und schlucken die Pille. Sie leben in Wohnungen mit Türen, Fenstern, Teppichen, Betten, Tischen, Stühlen, Sofas, Fernsehern und Stereoanlagen. Sie lackieren sich die Fußnägel (jedenfalls die Frauen), flirten miteinander und haben One-Night-Stands. Sie fahren ganz normal mit ihren Autos zur Arbeit, kommen heim, essen zu abend, schauen Fernsehen, gehen ins Bett, stehen auf, duschen, frühstücken und gehen wieder zur Arbeit. Manchmal streiten sie sich, dann versöhnen sie sich wieder oder lassen sich scheiden. Ich habe noch niemanden getroffen, der sich morgens den Lendenschurz umband um sich athletischen Schrittes auf Gazellenjagd zu begeben. Auch habe ich noch nicht erlebt, dass mein Nachbar im Hof einen Regentanz ob der anhaltenden Dürre veranstaltet (auf der anderen Seite ist seit ich hier bin Regenzeit. Ich frag ihn mal, ob er die gängigsten Regentänze beherrscht ;o))

Natürlich, vieles ist anders. Man lebt bescheidener, hat geringere Ansprüche, verfügt über weniger Dinge, die einem das Leben erleichtern. Nur wenige haben eine Waschmaschine oder einen Herd. Eine Spülmaschine habe ich hier noch nie gesehen. Geduscht wird mit kaltem Wasser, gekocht auf Gaskochern oder mit Holzkohle. Die Straßen bestehen größtenteils aus Lehmpisten oder sind übersät mit gigantischen Schlaglöchern. Fast täglich fällt der Strom aus und manchmal auch das Wasser. Der öffentliche Nahverkehr besteht aus Motorrädern, die man einfach auf der Straße anhält und den Preis (zwischen 20 Cent und einem Euro) mit dem BodaBoda-Fahrer aushandelt. Es gibt keine Krankenversicherung und Patienten im Krankenhaus müssen eine zusätzliche Matratze und Familienmitglieder mitbringen, die sie versorgen können. Auch Zuneigung wird anders ausgedrückt: Während es völlig normal ist, dass man sich zur Begrüßung die Hand gibt und diese auch während der ganzen Unterhaltung nicht mehr losläßt und niemand staunt, wenn Männer Händchenhaltend durch die Straßen gehen, ist es völlig unüblich für ein Pärchen, sich in der Öffentlichkeit zu küssen oder zu herzen. Dinge werden im Allgemeinen weniger aufwendig, weniger stringent und mit mehr Gelassenheit geplant. Dadurch dauert oft alles etwas länger. Warten gehört hier zum Leben wie atmen und essen. Da das allgemein üblich ist, beschwert man sich nicht und entschuldigt sich für Verspätungen eigentlich auch nicht. Vor allem wenn es regnet: Wenn der Regen auf die Stadt niederprasselt, steht das Leben eben einfach still.

Ich könnte zehn Seiten damit füllen, was ähnlich und was ganz anders ist. Im Laufe dieses Blogs, werdet ihr sicher noch vieles darüber erfahren. Was ich mit diesen Worten aber in erster Linie deutlich machen will ist: Das Bild der Kriege, Hungersnöte und Tellerlippenmenschen, das wir von Afrika haben, gibt nur eine ganz bestimmte Realität des Lebens auf diesem Kontinent wieder. Natürlich ist mein Einblick auch nur begrenzt, schließlich wohne ich in einer Stadt und habe fast ausschließlich mit gut ausgebildeten Ugandern zu tun. Auf dem Land, wo die Tradition eine viel größere Rolle spielt, sieht das Leben natürlich wieder ganz anders aus. Dennoch behaupte ich, dass die große Mehrheit der Menschen in Uganda und den allermeisten anderen afrikanichen Ländern weder Hunger leidet, noch in Flüchtlingslagern lebt, außerdem äußerst selten nackt durch den Dschungel rennt oder Tänze gegen den bösen Blick auffüht. Und auch hier teilt man den Partner oder die Partnerin in der Regel wenn dann nicht auf eigenen Wunsch hin mit Gästen. Soweit reicht die Gastfreundschaft bei aller Herzlichkeit dann doch nicht!

Und damit dieser Blog auch was fürs Auge ist, hier noch ein paar Bilder. Macht es gut, kommentiert meinen Artikel, wenn ihr mögt und lasst es euch gut gehen! Ich denke an euch! Eure Sharot (wie ich hier meist genannt werde).

 

Muzungu im Kirchenchor

Muzungu im Kirchenchor

 

 

Anthea, Isaac und ich nach einem langen Aufstieg in Ibanda, nördlich von Mbarara

Anthea, Isaac und ich nach einem langen Aufstieg in Ibanda, nördlich von Mbarara

 

 

Livingstone, ein Freund aus der Kirche, und ich auf einem BodaBoda

Livingstone, ein Freund aus der Kirche, und ich auf einem BodaBoda

 

 

Während unseres Kirchen-Frauenwochenendes

Während unseres Kirchen-Frauenwochenendes

 

 

Standbetreuung - jippieh!

Standbetreuung - jippieh!

 

 

kleiner Engel

kleiner Engel

 

 

eine Frau aus einer unserer Words of Hope Gruppen

eine Frau aus einer unserer Words of Hope Gruppen

 

 

mein Geburtstag - mit Walzer und Hip Hop

mein Geburtstag - mit Walzer und Hip Hop

 

 

hier ist also der Äquator, aha

hier ist also der Äquator, aha

 

 

Altkleider aus Europa gefällig? 50 Cent das Stück

Altkleider aus Europa gefällig? 50 Cent das Stück

 

Uganda in der Regenzeit

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Es ist Mittwoch Abend, 22:07, Mbarara, West-Uganda. Vor meinem Fenster schweigen die Musikboxen schon seit etwa zwei Stunden, denn die Elektronikläden, Teestuben und Werkstätten haben geschlossen. Statt dessen dringen gedämpft die Geräusche von Autos, Fernsehgeräten und Zirpen in mein Zimmer. Erst morgen früh um acht werden die Ladenbesitzer und Angestellten wieder die Türen aufschließen, den Lautstärkeregler aufdrehen und sich vor ihre Läden setzen. Man grüßt sich, trinkt Tee oder isst Matoke und fängt – falls der Morgen sich ruhig gestaltet – an, Karten zu spielen. Falls eine Muzungu vorbeigehen sollte, werden sich alle Köpfe heben und die Kinder werden winkend und lachend auf das Bleichgesicht zurennen, während der eine oder andere Postpubertäre sagen wird: “Sister, you’re so beautiful!” Die Frauen werden einen skeptischen Blick auf die Weitgereiste werfen bis sie ein freundliches “Oraire ota, nyabo? (Wie war die Nacht, meine Dame?)” zugerufen bekommen. Dann wird sich ein herzliches Lächeln über ihr Gesicht legen und sie werden gutmütig und amüsiert sagen: “Ndire gye, nyabo! (Sehr gut, meine Dame)”.

Sicht aus meinem Wohnzimmerfenster

Sicht aus meiner Wohnung bei Regenzeithimmel

Seit drei Tagen bin ich nun in dieser meiner Wohnung und gewöhne mich langsam an den Geräuschpegel von Musik, Arbeitslärm und Autogehupe. Auch die Tatsache, dass mein Waschbecken zwar nur Tropfen absondert, aber dennoch einen Fluß durch mein Bad verursachen kann sowie das Händewaschen unter der Dusche hab ich inzwischen akzeptiert. Nachdem ich heute wagemutig mit Nägeln, Holzstöcken und Gewalt mein Talent als Elektrikerin an einer meiner Steckdosen  erprobt habe (und erfolgreich war) habe ich auch wieder Strom – solange er nicht ausfällt. Nur die übergroße Maus (oder was war das doch gleich?), die ich zunächst nur im Augenwinkel an meinem improvisierten Matrazensofa vorbeihuschen sah und die auf der Jagd nach ihr gegen meinen Fuß rannte, verdutzt nach oben schaute um sich dann schnurstracks unter der Haustür hindurch aus dem Staub zu machen, hat mich etwas aus dem Konzept gebracht. Aber Plagen machen erfinderisch: jetzt klemmt mein Ersatzmoskitonetz unter eben jenem Türspalt, sodass unerwünschte Eindringlinge bei meinen Nachbarn ihr Glück versuchen müssen.

mein königliches Wohnzimmer mit integrierter Küchenzeile

Mein königiches Wohnzimmer mit integrierter Küchenzeile

Seit fast drei Wochen bin ich nun schon in dieser schönen Stadt und habe von mindestens dreihundertachtunzwanzig Erlebnissen zu berichten – aber wer kann schon so lange aufpassen? Also muss ich mich auf einige wenige Dinge beschränken:

Anders als erwartet bin ich nach einer herausfordernden Reise in einem gänzlich überfüllten Bus mit viel zu wenig Platz aber umso mehr Staub und Geruch vor dem Haus eines deutschen Entwicklungshelfer-Ehepaares aus dem Auto gepurzelt, das mich vom Busbahnhof abgeholt hatte. Das Haus das ich vor mir sah war wunderschön, was durch den riesigen Garten inklusive Bananenplantage aber noch einmal übertroffen wurde. Peter und Kordelia sind seit vier Jahren in Mbarara und sollten mir für die nächsten Tage und Wochen Obdach gewähren. Sie taten das mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft und so kam ich 14 Tage lang in den Genuß, ein kleines bis mittelgroßes Paradies mein Zuhause nennen zu dürfen.

Aussicht von Peters und Kordelias Terasse im Morgengrauen

Am nächsten Tag ging es gleich in die Kirche, die University Baptist Church Mbarara, die für die nächsten zwölf Monate meine Arbeitsgeberin sein sollte. An jendem Abend stand der allwöchentliche Studi-Abend an, diesmal besonders groß, da es der erste Abend des neuen Semsters sein würde. Pastor Enoch und Pastor Aloysious empfingen mich sehr herzlich und gaben mir als Willkommensgeschenk erst einmal einen Runyankore-Namen: Nabaasa. Was soviel heisst wie “Gott vermag es”. Was er vermag ist, dass er mich heil und in einem Stück zur University Baptist Church und zu Words of Hope gebracht hat. Ein klarer Gottesbeweis ;o) Die Studierenden trudelten auch langsam ein und ich wurde allen vorgestellt und gewürdigt und gedrückt und befragt. Anthea, eine Words of Hope Mitarbeiterin, hat mich gleich unter ihre Fittiche genommen und nach dem Gemeindeabend in den angesagtesten Club der Stadt gebracht, das ‘Heat’. Da wars zwar sehr nett, aber so unglaublich laut, dass alle Kennenlernversuche im Keim erstickt wurden. Auch meine unzureichenden Muzungu-Hüftschwünge haben mir keine besonders bewundernden Blicke eingebracht. Naja, ich kann dafür … Knödel kochen. Das kann hier keiner ;o) Auf jeden Fall war es alles in allem ein guter erster Abend für einen Start im Projekt.

Studi-Abend in der Gemeinde mit Spiel und Spaß

Pastor Aloysious (ganz rechts), Pastor Enoch (Mitte) und ich (die Riesin)

Die letzten Tage und Wochen habe ich dann vor allem damit verbracht gefühlt 56.987 Leute kennenzulernen und alle Arbeitsbereiche der Gemeinde anzuschauen. Da die meisten Menschen hier unglaublich herzlich und interssiert sind, habe ich dementsprechend schon einen ziemlich großen Bekanntenkreis. Manchmal passiert es schon, dass mich jemand auf der Straße anspricht und ich hab keine Ahnung, wer das jetzt gerade ist. Aber bis jetzt hat es mir noch keiner Übel genommen, wenn ich mich nicht mehr an den entsprechenden Namen errinnern konnte (was das Merken manchmal einfacher ist, sind ungewöhnliche Namen, die hier sehr gehäuft auftreten: angefangen bei Innocent und Honest, über Primrose und Patience bis zu Livingstone und Pitman).

Um die Vewirrung um meine Einsatzstelle zu klären: Ich arbeite im Projekt Words of Hope, das ein Programm der University Baptist Church ist und Menschen mit HIV/AIDS in den Dörfern um Mbarara herum mit landwirtschaftlichen Maßnahmen wie Schweinezucht oder Passionsfruchtanbau dabei hilft, die finanzielle und damit gesundheitliche Lage zu verbessern. Ein wichtiger Bereich der Arbeit ist auch die Seelsorge, die Netzwerk- und die Lobbyarbeit. Da es in der Gemeinde aber auch ein paar Bereiche gibt, die etwas an Unterstützung bedürfen, und ich als Theologin auch Gemeindeerfahrung habe (und das Gemeindeleben natürlich super für das Einleben in der Fremde ist), werde ich auch hier ein wenig mitarbeiten. Bisher ist geplant, dass ich mich der studentischen Frauenarbeit widme, was in einem ziemlich männerdominierten Land wohl ganz spannend werden dürfte…

Dreimal war ich jetzt schon mit Words of Hope auf Besuch bei den HIV-Gruppen auf den Dörfern. Und das ist wirklich sehr spannend! Die Zivilisation nach westlichen Maßstäben hört tatsächlich schon 10 Autominuten (auf den buckeligsten und abenteuerlichsten Straßen, die ich je die Ehre hatte zu befahren) hinter Mbarara auf. Es gibt weder Handyempfang, noch eine Wasserstelle im Dorf. Die Häuser sind aus Lehm und gekocht wird auf offenem Feuer. Englisch wird nur von einigen wenigen gebrochen gesprochen und die allermeisten können weder lesen noch schreiben. Kein Wunder, dass die hygienischen Bedingungen und auch die Versorgungsmöglichkeiten für eine Person mit einem geschwächten Immunsystem denkbar ungünstig sind. Hier setzt Words of Hope an und versucht den Menschen ein basales Einkommen zu verschaffen, damit sie sich Medikamente, gesunde Lebensmittel und Seife leisten können.

Anthea und ich (im Vordergrund und mit überreichter Papaya in der Hand) mit einer Words of Hope Frauengruppe in ihrem Dorf

Eine Frau des Stammes der Bahima (hiesiges Nomadenvolk, das vor allem Rinderzucht betreibt) und ich mit Milchkalebassen. Das Kleid das ich trage ist ein typisches Alltagskleid hier und wurde mir auf den Leib geschneidert (mit dem Kommentar: "You have nice african hips. But no breasts...". What can I say????)

Da das Programm fast ausschließlich in Runyankore stattfindet, wird meine Aufgabe in den nächsten Wochen vor allem darin bestehen, Berichte zu sortieren und auszuwerten, Unterrichtseinheiten zu HIV-Prävention, Ernährung und Hygiene zu erstellen und Fundraising zu betreiben. Da alle Fördermaßnahmen im Moment ausgelaufen sind, hat Words of Hope gerade ein immenses Finanzierungsproblem, was z.B. so weit geht, dass oft das Geld für Benzin fehlt, um auf die Dörfer zu fahren. Das ist natürlich wahnsinnig schade, da die Gruppen ohne die Betreuung und Begleitung von Words of Hope leicht auseinanderbrechen. Die nächsten Wochen werde ich also viel recherchieren und Anträge schreiben. Mal sehen, ob ich erfolgreich bin.

Außderm werde ich in den nächsten 2-3 Monaten intensiv Runyankore lernen. Anthea und Livingstone sind meine beiden LehrerInnen und haben mir schon alle Begrüßungsformeln (es ist unglaublich, auf wie viel verschiedene Arten man sich begrüßen kann! Je nach dem zu welcher Stunde des Tages und ob man anspricht oder angesprochen wird. Eieieei, die machen es einem nicht leicht) und wie man am besten mit Bodabodafahrern und Marktfrauen verhandelt beigebracht. Sobald ich mehr sagen kann als: “Wie gehts? Wieviel kostet das? und Das ist zuviel!” werde ich auch in die Arbeit in den Gruppen einsteigen können.

Jetzt ist es schon fast Mitternacht und sogar die Fernsehgeräusche aus den Nachbarwohnungen sind verstummt. Ich werde jetzt auch mal unter mein Moskitonetz krabbeln, bedanke mich bei allen, die es bis hierher ausgehalten haben und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine geruhsame Nacht! Kommentare sind natürlich immer sehr willkommen! Bis zum nächsten Mal,

Eure Nabaasa

Muzungu, how are you?

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Nach einem sechsstündigen Flug schaue ich im Landeanflug auf Entebbe mit verschlafenen Augen aus dem Fenster und sehe das erste Mal die “Perle Afrikas”: Unter einem diesigen Morgenhimmel erstrecken sich grüne Hügel, durchzogen von rotbraune Straßen. Einige versprengte Busse bahnen sich den Weg von einem Dorf zum nächsten und dazwischen entdecke ich immer wieder Ansammlungen von kleinen Punkten, die vielleicht Ziegenherden sein könnten.Oder sind es doch nur Bäume? Keine Ahnung! Was weiss ich schon von Uganda?

Und während ich das denke, schisst mir der Gedanke durch den Kopf: “Was zum Himmel mach ich hier eigentlich?”. Und auch beim ersten Schritt aus dem Flugzeug auf ein überraschenderweise regennasses Rollfeld, das bei ca. 20 Grad nun wirklich nicht unter der Hitze flimmert, habe ich die Vision, dass ich vielleicht einfach umdrehen, die Treppe so schnell wie möglich wieder hinaufklettern und wieder nach Hause fliegen könnte (mal ungeachtet der Tatsache, dass das wohl nicht die direkte Route des Flugzeugs sein wird – Angstvisionen sind selten rational). Erstaunlich, da ich die letzten Wochen und Tage so cool war, als ginge es nur darum, meine Frisur zu ändern (und ihr wisst ja, was das bei mir heisst).

Seit drei Tagen bin ich nun in diesem fernen Land und durfte glücklicherweise schon einiges erleben, was das Bedürfnis, wieder unter die kuschelige berliner Bettdecke zu schlüpfen, enorm verringert hat. Zum Beispiel das tobende Leben auf den Straßen vor unserer Unterkunft hier im Kampala: Eine kleine Bude neben der anderen, vor denen Bananenstauden, Telefonkarten, Betten, Sessel, Verlängerungskabel, Schuhe, Würstchen oder oder oder verkauft werden. Und überall Menschen: Sitzend, stehend, lachend, wartend, verkaufend säumen sie die Straße und schauen uns an, wie wir offensichtlich planlos durch den roten Matsch am Wegesrand waten und versuchen, von keinem Bodaboda (Motorradtaxi) oder Matatu (öffentliche Kleinbusse) umgefahren zu werden. Und sobald wir zurückschauen und hilflos lächeln (bitte seid nett zu uns), hellen sich die Gesichtszüge auf und sofort erklingt der Ruf: “Muzungu, how are you?”. Muzungu bedeutet ursprünglich in der hiesigen Bantusprache “Der, der weit gereist ist”. Heute wird es eigentlich nur für Weisse verwendet, und ist einfach die übliche Art, selbige anzusprechen. Bisher habe ich dies als freundlich gemeinten Gruß verstanden, der mir sagen will: Super, dass du hier bist!, denn wenn ich erwidert habe: “Fine, how are you?” bekam ich ein Lächeln zurück und konnte weitergehen. Und das macht einfach Spaß! Alles ist neu, alles ist aufregend! In den letzten drei Tagen habe ich schon etwa zehn neue Lebensmittel kennengelernt und fast alle waren großartig. Kochbananen (Matoke), Maisbrei (Posho), Passionsfrüchte, Yams, Jackfruit, irgendwelche Wurzeln, deren Namen ich vergessen habe, Ziegenfleisch: alles großartig und bisher meiner Gesundheit auch kein Stück abträglich. So viel Kohlenhydrate auf einen Haufen sind geradezu ein kulinarisches Paradies für jemanden wie mich. Und zwischen den Mahlzeiten immer wieder Tee mit Milch. Kulinarisch ist in Uganda also alles im Lot, kann ich berichten.

Hier in Kampala hatten wir, das heißt ich und die anderen Uganda-Freiwilligen von der Entsendeorganisation EIRENE, ein Einführungsseminar, das uns auf das bevorstehende Jahr in unseren Einsatzorten vorbereitete und vielleicht auch als kleine “Eingewöhnungsphase” unter erleichterten Bedingungen diente. Da wir in unserer kleinen “deutschen Blase” zusammen in einem Hotel wohnten und so den Straßentrubel nur in wohl dosierten Häppchen auf uns einprasseln lassen durften, konnten wir bisher alle einem Kulturschock entgehen. Morgen früh um sieben wird es dann aber endlich ernst und ich mache mich auf die Reise nach Mbarara. Etwa 6 Stunden werde ich in einem Matatu durch den Südwesten Ugandas reisen, um zu meiner Einsatzstelle bei “Words of Hope” zu gelangen. Natürlich bin ich schon wahnsinnig gespannt, was mich erwartet und auch ein bisschen nervös, ob das alles so klappen wird, wie ich es mir vorstelle und was die Menschen dort wohl von mir erwarten.

Was das wohl sein wird, erzähle ich dann das nächste Mal.

Liebe Grüße nach Deutschland an Euch alle! Eure Charlotte

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